Granada und der Flamenco
Granadas Cante-jondo-Wettbewerb von 1922
Wie Manuel de Falla und Federico García Lorca 1922 in der Alhambra einen Wettbewerb der tiefsten Flamenco-Gesänge veranstalteten, wer gewann und warum er bis heute bedeutsam ist.
Sichern Sie sich Ihren Platz im La Alboreá ↗Ein Wettbewerb des tiefsten Gesangs
1922 war Granada Schauplatz des Concurso de Cante Jondo, eines Festivals für Flamencogesang, -musik und -tanz. Cante jondo bedeutet tiefer Gesang – das Herz des Flamenco, im Gegensatz zum leichteren cante chico. Der Komponist Manuel de Falla hatte die Idee, und der damals dreiundzwanzigjährige Dichter Federico García Lorca unterstützte sie früh und nachdrücklich. Die Veranstaltung erstreckte sich über zwei Abende und fand unter freiem Himmel in der Alhambra statt.
Warum Falla sie wollte
Falla war der Ansicht, die Musik des cante jondo sei in Verfall geraten, und er wollte sie nähren und veredeln. In einem Essay legte er dar, dass drei äußere Einflüsse den Flamenco geprägt hätten: byzantinische Kirchenmusik aus dem östlichen Mittelmeerraum, maurische Musik aus Nordafrika und Arabien sowie die Volksmusik Indiens, die von den Gitanos nach Spanien gebracht wurde, die vor etwa fünfhundert Jahren einzuwandern begannen. Diese Traditionen, so argumentierte er, verschmolzen mit der einheimischen spanischen Musik und verliehen dem cante jondo seinen Charakter.
Das Publikum gewinnen
Den Organisatoren ging es um mehr als einen gelungenen Abend. Die Einbindung spanischer Intellektueller galt als entscheidend, um der Verachtung entgegenzuwirken, die manche Reformer der Zeit dem Flamenco entgegenbrachten, und Falla versammelte eine beeindruckende Gruppe von Musikern und Künstlern als Schirmherren der Veranstaltung. Lorca trug mit Vorträgen und Essays über diese Kunst und ihre wenig bekannte Geschichte dazu bei. Das Ziel war, ein einflussreiches Publikum zu gewinnen, das anschließend wohlwollend über den cante jondo sprechen würde.
Die Regeln und die Preise
Die Veranstaltung bot die bekanntesten Flamenco-Künstler auf, doch das Preisgeld war Amateuren vorbehalten, und festliche Lieder wie die cantiñas blieben ausgeschlossen, weil Falla und Lorca sie nicht als jondo betrachteten. Antonio Chacón, der führende Sänger seiner Zeit, führte den Vorsitz der Jury. Die Gewinner waren El Tenazas, ein pensionierter Berufssänger aus Morón de la Frontera, und Manuel Ortega, ein achtjähriger Junge aus Sevilla, der als Manolo Caracol in die Flamencogeschichte eingehen sollte.
Von einem Platz zur Alhambra
Die Finanzierung kam von der Stadt Granada – allerdings nicht ohne lebhaften Widerstand, denn Kritiker verwiesen auf das gemischte Milieu der Flamenco-Aufführungen. Die Organisatoren nannten die Kunst sogar cante jondo statt Flamenco, in der Hoffnung, diesem Vorwurf zu entgehen. Da mehr Zuschauer erwartet wurden, verlegte man den Veranstaltungsort von der Plaza de San Nicolás im Albaicín in die geräumigere Alhambra.
Ein Wettbewerb, der sein Ziel verfehlte
Eine Darstellung nennt den Wettbewerb einen Misserfolg, weil er kaum Widerhall fand und weil Falla und Lorca den professionellen Charakter verkannten, den der Flamenco bereits besaß. Sie suchten eine Reinheit, die es – so heißt es dort – in einer von Mischung und persönlicher Innovation geprägten Kunst nie gegeben habe. Dieselbe Darstellung besagt, dass die Anerkennung des Flamenco durch Intellektuelle kurz darauf begann, mit der Generation von 27.
Was das für einen Besuch bedeutet
Eine Show in Granada heute ist etwas anderes als der Wettbewerb von 1922: eine kurze Aufführung von Profis in einem kleinen Raum. Doch die Geschichte zeigt, wie lange Granada schon Teil der Flamenco-Erzählung ist, und die Granaína, die Antonio Chacón zugeschrieben wird, ist der eigene Gesang der Stadt. Wenn ein Sänger in einer modernen Show eine Granaína oder eine Seguiriya wählt, schöpft er aus derselben Tradition des tiefen Gesangs, die Falla und Lorca feiern wollten.
Für wen das nicht gedacht ist
Wenn Sie nur wissen möchten, was Sie am Abend erwartet, helfen Ihnen die Ratgeber zu Tickets und Anreise besser als dieser hier. Dies ist Hintergrundlektüre für alle, die neugierig sind, warum Granada, die Alhambra und der Flamenco so oft zusammen genannt werden. Es beschreibt nicht, was der Veranstaltungsort auf die Bühne bringt, und nichts aus dem Programm von 1922 gilt für eine moderne einstündige Show.
Quellen